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  • Ortseingang, (CC-BY) Bürgerverein Groß Schönebeck
  • Die Dorfkirche, (c) Klaus Wackulat
  • Gevatter Storch in der Ernst Thälmann Straße 18, (CC-BY) Bürgerverein Groß Schönebeck
  • Sommer in Groß Schönebeck, (c) Klaus Wackulat
  • Die Schule, (c) Klaus Wackulat
  • Das Jadgschloss, (c) Klaus Wackulat
  • Die Schorfheide, (c) Astrid Kuckartz
  • Die Heidekrautbahn, (c) Klaus Wackulat
  • Der kleine Glasowsee, (CC-BY) Bürgerverein Groß Schönebeck
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Ehrengrab für die Familie Wagner

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Geschichte

Ansprache des Sprechers des Bürgervereins, Rainer E. Klemke, anlässlich der Einweihung des Gedenksteins vor dem Pfarrhaus in der Schlossstraße am 29. April 2013

Es war – anders als heute - ein sonniger Frühlingstag, jener 29. April 1945. Die meisten Groß Schönebecker waren unterwegs. Nicht zum Picknick, sondern auf dem Treck nach Westen oder mit dem wichtigsten Gepäck im Wald versteckt. Das Schmettern der Feldlerchen wurde vom Heulen vereinzelter Granaten unterbrochen, die von Eichhorst her kommend auf die wenigen Widerstandsnester deutscher Einheiten von der vorrückenden sowjetischen Streitkräften abgefeuert wurden.

Der Ring um Berlin war bereits geschlossen und die sowjetischen Truppen bis in das Regierungsviertel vorgerückt. Einen Tag später sollte sich Hitler mit seiner Freundin Eva Braun im Führerbunker unter er Reichskanzlei im Tiergarten das Leben nehmen. Die Wunderwaffe und die angeblich rettende Armee Wenk waren ausgeblieben, es herrschte Endzeitstimmung und Verzweiflung ob der ungewissen Zukunft bei den versprengten deutschen Soldaten wie auch bei der Zivilbevölkerung. Was würde mit ihnen geschehen, wenn die Sowjets einrücken und sich so verhalten würden, wie es die deutschen Truppen zuvor im Osten gemacht hatten?

Von dieser Sorge war auch die rumänisch-siebenbürgische SS, einer unter deutschem Befehl umgetrieben, von denen die Eichhorster erzählen, dass sie dort schon längere Zeit dort im Wald gelegen haben.

Sie hatten von den Deutschen nichts zu erwarten und erst recht nichts von den heranrückenden Sowjets. Ihre Heimat war weit weg und würde sie, wenn sie sie jemals erreichen sollten, als Kollaborateure sicher nicht mit offenen Armen empfangen. Zudem wurden sie von einem deutschen Offizier angeführt, der Durchhalteparolen verbreitete und den Kampf bis zur letzten Patrone befahl.

In der Nacht zuvor hatten sie sich mit allen auffindbaren Alkoholvorräten und erreichbaren Frauen ins Jagdschloss zurückgezogen und dort exzessiv gefeiert. Ob ihr Offizier danach von einem sowjetischen Tiefflieger oder ob er mit Bauchschuss aus den eigenen Reihen tödlich getroffen wurde, ist nicht überliefert. Auch dafür warum und wie die Familie Wagner so grausam umgebracht wurde, gibt es keine Zeugnisse, außer dem Umstand, dass es vor dem Einzug der Sowjets geschehen sein muss. Mutmaßungen gehen dahin, dass sich der Pfarrer geweigert haben soll, den Wehrturm der Kirche als Abwehrstellung gegen die anrückenden Truppen zur Verfügung zu stellen. Die Frage bleibt, wie er dies hätte verhindern können. Andere Mutmaßung sprechen von dem Davidstern am Gemeindehaus, der der Auslöser für das Massaker gewesen sein könnte oder dass der Pfarrer die Frau und Schwiegertochter beschützen wollte. Tatsache ist, dass die Familie des Pfarrers, die bereits auf gepackten Koffern saß und eigentlich schon weg sein sollte, diesen Tag und den Abzug der Rumänen nicht überlebt hat und in einer Brutalität ermordet wurde, die einen fassungslos macht.

Am nächsten Tag, dem 30. April zog der ehemalige Kommunist Paul Grabowski, der als Rotkreuzhelfer bis zuletzt im Ort ausgeharrt hatte, mit wenigen anderen im Ort verbliebenen Bürgern den sowjetischen Truppen mit einer weißen Fahne entgegen. Die marschierten ein und durchsuchten Haus für Haus nach deutschen Soldaten und der deutschsprachige russische Major bezog sein Quartier in der Forstverwaltung in der Liebenwalder Straße. Hier bekam er die Meldung von den Leichen im Pfarrhaus, was zunächst als Selbstmord gedeutet wurde. Er schickte einen Panjewagen und befahl Erna Staberow, damit die Leichen in Decken gewickelt zu bergen und auf dem Friedhof zu bestatten. Dort bekam die Familie ein Grab unweit der heutigen hinteren Wasserstelle, das aber in den 60er Jahren eingeebnet wurde.

Weshalb zu DDR-Zeiten dieses brutalen Mordes am letzten Kriegstag in Groß Schönebeck nicht gedacht wurde als Beispiel für NS-Unrecht und als Mahnung gegen den Krieg, aber auch als das brutalste Verbrechen der Groß Schöneberger Geschichte, ist nicht nachzuvollziehen.

Mit einer Tafel am Pfarrhaus war nach der Wiedervereinigung ein Anfang gemacht worden, das Gedenken aufzunehmen. Dem Bürgerverein Groß Schönebeck erschien die aber vom Tenor und Wirkung nicht hinreichend für diesen Anlass. In Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde unserer Gemeinde Schorfheide, besonders aber durch das Engagement von Anette Flade und Gerhard Baumeister können wir heute nun nicht nur einen würdigen Gedenkstein am Tatort, sondern auch das wiedergewonnenes Ehrengrab für die Familie Wagner einweihen und ihrer gedenken.

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Herzlichen Dank an Christa Stabenow, die für die Bestattung der Familie Wagner sorgte und jahrelang die Grabpflege übernahm. Dank auch an den Steinmetz, Herrn Wundt, und Bürgermeister Schoeknecht, die unser Projekt so tatkräftig unterstützt haben.

Unser Dank gilt allen, die daran mitgewirkt haben, uns die Erinnerung an die Geschichte unseres Ortes wach zu halten. Als Mahnung und als Auftrag an die Jugend, nicht den rechten Rattenfängern zu folgen und für den Wert der Freiheit und der Demokratie einzutreten.

Und dies gerade im Kontext des Themenjahres 2013 – Zerstörte Vielfalt anlässlich des 80. Jahrestages der Machtübertragung an die Nationalsozialisten sowie des 75. Jahrestages der Novemberpogrome, die auch bei uns hier in Groß Schönebeck z.B. am Kaufhaus der jüdischen Familie Leiser, für die wir noch einen Stolperstein verlegen wollen, stattgefunden haben.

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Tag der offenen Höfe

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Aktuelles

Am 09.06.2013 lud Groß Schönebeck anlässlich der Brandenburger Landpartie Besucher und Gäste herzlich in den zentralen Schorfheideort ein.

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Ab 13.00 Uhr konnte Besucher mit dem Kremser, Trecker, Jeep oder Fahrrad erforschen, was so auf einem echten Bauernhof zu erleben ist, in die Werkstätten des örtlichen Handwerks und hinter die Kulissen kleiner oder größerer ländlicher Gewerbebetriebe schauen. Angebote von öffentlichen Einrichtungen, das historische Jagdschloss der preußischen Kurfürsten und Könige sowie der Museen des Ortes („Jagd und Macht in der Schorfheide in der NS- und SED-Zeit“) waren für die rund 500 Gäste aus dem Dorf und von Nah und Fern zu sehen. Sie konnten einen Blick werfen hinter private Häuser, wie sich die Menschen hier eingerichtet haben und den bekannten Wildpark mit seinen Wölfen, Elchen und Wisenten kennen lernen. Militär- und Transporttechnik auf dem Betriebshof der Firma Maaß, Kaffee und Kuchen beim Dritte Welt-Laden der Kirchengemeinde oder Keramik und Tretmobile für die ganze Familie auf dem Vierseitenhof von Familie Heusinger, ein aktiver Besuch auf der nördlichsten Biathlonanlage Deutschlands oder im Kutschenmuseum und in der Bauernstube von Jürgen Bohm waren die Renner des Programms.Zum Abschluss des ereignisreichen Tages trafen sich die Akteure auf dem Lindenplatz.

Der nächste Tag der Offenen Höfe in Groß Schönebeck im Rahmen der Brandenburger Landpartie findet am Sonntag, dem 15. Juni 2014 von 11 bis 19 Uhr statt.