Geschichte

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ARD Sendung: Geheimnisvolle Orte: Die Schorfheide

Geschrieben von Jörg Mitzlaff am . Veröffentlicht in Geschichte

 

Geheimnisvolle Orte (3): Die Schorfheide - Das Jagdrevier der Mächtigen

 

Die Schorfheide, in unmittelbarer Nähe der alten und neuen Regierungsmetropole Berlin - eine einzigartige Landschaft, in der über Jahrhunderte hinweg deutsche Herrschaftsgeschichte geschrieben wurde. An keinem anderen Ort zeigt sich das seltsame, oft im Verborgenen gebliebene Wechselspiel von Jagd und Macht so prägnant wie hier.

 

http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/geheimnisvolle-orte-3-die-schorfheide-das-jagdrevier-der-maechtigen-100.html

 

 

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Kortenbeitel: Groß Schönebecker Pionier der deutschen Forstausbildung

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Geschichte

 

Mit der Eintragung des Denkmals für den Groß Schönebecker Dorfschullehrer Carl Friedrich Kortenbeitel (1837 – 1887) in die Denkmalliste des Landes Brandenburg zum 19. Mai 2014 würdigt das Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege die Bedeutung des Begründers der ersten preußischen Forstlehrlingsausbildung. Das wohl um 1890 aus dem damals noch wenig verwendeten Kunststein in Sandsteinoptik von der Gemeinde Groß Schönebeck errichtete Denkmal steht unter Jahrhunderte alten Eichen auf dem nordöstlichen Abschnitt des Dorfangers an der Ernst-Thälmannstraße.

Groß Schönebeck war seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert Ausgangspunkt großer markgräflicher, später königlicher, dann kaiserlicher Jagden in der Schorfheide. 1680 ließ der Große Kurfürst am Standort vorlaufender Burganlagen und Jagdhäuser das sein Jagdschloss errichten, das ab 1864 auch als Oberförsterei genutzt und auch bis 1918 auch von den preußischen Königen und dem Kaiserhaus als Gästequartier sowie Ausgangspunkt für große Jagdgesellschaften genutzt wurde.

Carl Friedrich Kortenbeitel beschäftigte angesichts der langen forstlichen Tradition des Ortes die Frage nach einem geregelten Ausbildungsgang für angehende Forstbeamte im einfachen Forstdienst. Während 1830 in Eberswalde eine Forstakademie zur Ausbildung leitender Forstbeamter gegründet worden war, fehlte eine solche Ausbildungsmöglichkeit für die Lehrlinge der Forstwirtschaft. 1877 regte Kortenbeitel an, eine solche berufsbildende Einrichtung zu etablieren. Die ortsansässigen Oberförster Sachse und Witte unterstützen ihn darin. Beide hatten beruflichen Kontakt zum preußischen Herrscherhaus. Die Preußische Forstverwaltung beauftragte Kortenbeitel daraufhin, mit staatlicher Unterstützung eine erste Forstlehrlingsschule zu gründen und diese zunächst privat zu führen. Auch sollte dabei eine Augenmerk darauf gelegt werden, mittellosen Söhnen einfacher Forstbeamter eine solide Ausbildung zu bieten.

So begann am 1. Oktober 1878 der Unterricht in der ersten Forstschule Preußens mit ca. 80 Schülern. Zunächst in der Wohnung von Kortenbeitel, in der örtlichen Schule sowie im Dorfkrug. Zusätzlich eröffnete er 1881 ein privates Schullehrerseminar, um hier Fachlehrer für die Forst- und Landwirtschaft auszubilden. 1881 unterrichtete er insgesamt 195 Schüler, darunter 107 Förstersöhne. Das verhalf dem Dorf auch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Neben Kortenbeitel unterrichteten noch zehn weitere Lehrer sowie die Oberförster Sachse und Witte und die Förster Zurth und Lehmann.

Die Forstschule wurde weit über die Grenzen Preußens hinaus bekannt. So übernahm z.B. das Königreich Bayern das „Groß Schönebecker Modell“ für die Errichtungen eigener Forstausbildungsstätten.

Bald stellt es ich heraus, dass die vorhandenen Räume nicht mehr den Anforderungen genügten. Später gab es Probleme wegen der Grundstücksnutzung und den Pachtbeiträgen der Forstschule. Für einen weiteren Schulneubau versagte die Gemeinde die notwendige Unterstützung. Dazu kamen Differenzen im Lehrkörper. Schließlich wurde die Schule zum Ende des Schuljahres 1907 geschlossen und in die zu diesem Zweck umgebaute Burganlage in Spangenberg in die Nähe von Hannover verlegt.

Bei der Restaurierung des Kortenbeitel-Denkmals wurde im September 2015 eine Grundsteinkassette mit Münzen und Zeitungen aus dem Jahr 1889 gefunden, die Steinmetzmeister Wendt beim Erntefest am 27. September 2015 dem Ortsvorsteher Hans-Joachim Buhrs übergab (Abb. oben). Der reichte den Fund an den Groß Schönebecker Museumschef Helmut Suter weiter, der die Dokumente restaurieren und museal erfassen wird. Danach soll eine neue Kassette am Denkmal mit aktuellen Dokumenten vergraben werden.

(Quellen: Eintragungsbegründung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Joachim Bandau: Gedenksteine und Forstorte in der Schorfheide, S. 84-85, Helmut Suter: Groß Schönebeck aus 700 Jahren Geschichte“ S. 105-111, ders. „Errichtung der ersten Preußischen Forstschule in Groß Schönebeck (Schorfheide) und deren Niedergang 1877 – 1907 S. 4-7)

 

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Der kindliche Charme des Groß Schönebecker Dichters Walter Krumbach

Geschrieben von Karin Schings am . Veröffentlicht in Geschichte

Er war ein Quatschkopf, ein Narr, ein Spaßvogel und vor allem ein unermüdlicher Verseschmied: Walter Krumbach, als Kinderbuchautor und maßgeblicher Dichter vieler Sandmännchengeschichten einer der prominentesten Groß Schönebecker!

sandmann


Ach ja, unpraktisch war er auch, lieber ließ man ihn keinen Nagel in die Wand schlagen, was den Familienalltag nicht immer erleichterte, allerdings die praktischen Fähigkeiten seiner Frau und seiner drei Kinder förderte und herausforderte.
Vielleicht hat das alles ja mit seinem Geburtsdatum zu tun, denn als Aprilscherz auf die Welt zu kommen, ist eine Auszeichnung für sich!
Am 1. 4. 1917 wurde Walter Karl Ferdinand Krumbach als Sohn des Zimmermanns Walter Krumbach und dessen Frau Emma in Grimnitz bei Joachimsthal geboren. Dort ging er sieben Jahre lang zur Schule und lernte dann „Kommunal-, Polizei- und Standesamtsverwaltung“ bei der Stadt Joachimsthal. 1936 trat er eine Stelle in der „Generalverwaltung Seiner Hoheit des Herzogs zu Schleswig Holstein“ in Grünholz an und bereits ein Jahr zuvor wurde Krumbach Mitglied in der Reichsschrifttumskammer. Das war möglich und sein Wunsch, weil er seit seinem 17. Lebensjahr schriftstellerisch arbeitete.


Dann kam der Krieg. Anschließend die Kriegsgefangenschaft, exotischerweise in den USA. 1946 kehrte er in eine verwüstete Heimat zurück. Es herrschte akuter Lehrermangel, deshalb absolvierte Krumbach wie viele andere eine 9-monatige Notausbildung zum Lehrer. Er unterrichtete in Dabelow in Gransee und scheint seine Sache gut gemacht zu haben, denn man beförderte ihn sogar zum Schulleiter! 1955 kündigte er jedoch diesen schönen sicheren Posten und gab seinem Leben damit eine entscheidende Wendung: fortan wollte er „freischaffender Schriftsteller“ sein. Geschrieben hatte er ja schon immer und das 1952 im Kinderbuchverlag Berlin erschienene „Vogelbilderbuch“, ein kleiner ornithologischer Führer für Kinder ab zwei bis drei Jahren, ist vermutlich eines seiner ersten Buchveröffentlichungen:
„Rotkehlchen singt im Fliederstrauch,
frisst Würmer gern und Käfer auch.“
Oder:
„Der Rabe sieht sehr hungrig aus,
drum, kleines Mäuslein, bleib zu Haus!“ 


Unmittelbar nach seiner Entscheidung, ein Leben als freier Schreiber zu führen, ziehen Krumbach und seine Familie in den Hirschweg 30 nach Groß Schönebeck, dem Geburtsort seiner Frau Hedwig. Die Schorfheide liegt einen Steinwurf entfernt, ein Stück Wald gehört sogar zum Grundstück, und der Dichter fühlt sich hier offenbar sehr wohl. Seine Frau  nimmt ihm allen Alltagskram ab und die Kinder schätzen sein Reden in Versen und die vielen Waldspaziergänge, die er mit ihnen unternimmt.
Schreiben tut er nachts in seiner kleinen Stube unter dem Dach. „Spätzlein Tschilp“, „Igel Itzo“, „Rehbock Rax“, „Schnatterine Gackeline“ und etliche andere später legendäre Figuren entstehen hier. Auch viele Geschichten der zwei berühmtesten Gestalten „Frau Elster“ und „Herr Fuchs“ werden im Hirschweg ersonnen, aber ihre Zeit kommt noch, denn die beiden hat  Walter Krumbach erst 1963 gemeinsam mit der Fernsehredakteurin Ursula Sturm erfunden.


Im Laufe seines Lebens schreibt Krumbach um die 90 Kinderbücher. Sie gelten trotz des unglaublichen Erfolgs des Sandmännchens als Herzstück seines Schaffens und wurden vielfach übersetzt.


Auf seinen Status „freischaffender Schriftsteller“ legt er großen Wert. Krumbach war überzeugter Sozialist und Mitglied der SED, er hatte auch zeitlebens keine Probleme mit Gängelung und Zensur. Auch wurde er weder bespitzelt noch seinerseits dazu angehalten, Freunde und Kollegen auszuforschen. Dabei leistete er es sich, nicht Mitglied im einflussreichen Schriftstellerverband der DDR zu sein. Er wollte einfach nicht, sagt seine jüngste Tochter Anne Tausch. Er lebte gerne in der DDR, aber darüber hinaus wollte er seine Ruhe haben und dafür, dass er auf die Seilschaften des Schriftstellerverbands verzichtete, nahm er auch weniger Aufträge in Kauf. Natürlich hatte er keinen Agenten wie heutzutage üblich und schloss alle Verträge selber ab. Mal kam er dabei besser mal schlechter weg. Ein Text wurde entweder pauschal abgegolten, egal wie oft er verwendet wurde oder es fließen bis heute, wenn auch nicht gerade üppig, Tantiemen.
Aber es genügte immer für ein finanziell sorgenfreies Leben auf bescheidenem Niveau.
So vergeht die Zeit. Seine Frau Hedwig hält ihm die Unbilden des Tagtäglichen vom Leib, Tochter Anne lernt ihr Fahrrad selbst zu reparieren, weil die Mutter schließlich nicht alles machen kann und Walter Krumbach treibt tagsüber allerlei Blödsinn oder lässt sich von Natur und Familie inspirieren:

„Wir wandern mit dem flinken Bach,
im Waldesgrün versteckt.
Wir träumen weißen Wolken nach
und schlafen unterm Blätterdach
bis uns die Sonne weckt.“


Nachts schreibt Walter Krumbach und fertigt dazu kleine Skizzen an. Oder auch nicht! Anne Tausch berichtet, dass ihr Vater auch sehr gut eine Weile nichts machen konnte.
Die Sandmännchenzeit rückt näher und mit ihr eine der vielen absurden deutsch-deutschen Geschichten. Denn der gute alte Sandmann entstand nicht einfach so und eroberte im Nu unzählige Kinderherzen, sondern im Grunde genommen war mal wieder der Westen Schuld! Denn eines Tages berichteten die gewöhnlich gut unterrichteten Kreise im Osten, dass die BRD schon sehr bald mit einem Sandmännchen ins Fernsehen gehen wolle. Das wollte die DDR nun keinesfalls unverrichteter Dinge geschehen lassen. Alle kreativen Drähte, die mit Kindern zu tun hatten, liefen nach dieser Schreckensmeldung von null auf hundert heiß. Darunter selbstverständlich auch der Krumbach‘sche! Quasi über Nacht musste er die Strophen für das Sandmännchenlied zu Stande bringen. Es ist ihm gelungen:

„Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit! Wir senden erst den Abendgruß, eh jedes Kind ins Bettchen muss, du hast gewiss noch Zeit.“
Ein kleiner lieber Text zu einer ziemlich komplizierten Melodie.
Am 22. November 1959 hat das Sandmännchen seinen ersten Fernsehauftritt und von da an geht es nur noch bergauf. Dem Westen war man tatsächlich um ein paar Wochen zuvorgekommen, aber auch als sich längst beide Gute Nacht-Männchen in ihren jeweiligen

Sendern etabliert hatten, behielt der Ost-Sandmann die Nase vorn und war immer der beliebtere. Anfangs schlief er am Ende der Sendung im Schnee ein und im Sender in Adlershof trafen waschkörbeweise Briefe ein, in denen Kinder dem Sandmännchen ihr Bett anboten!

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Technisch war das Sandmännchen immer auf der Höhe der Zeit. Es braust auf dem Motorrad zu Frau Elster oder fliegt mal eben im Hubschrauber zu Taddeus Punkt. Auch der neue Traktor RS 09 kommt zu Ehren, wenn das Sandmännchen auf ihm bei Herrn Fuchs vorfährt. Und wenn es mal besonders schnell gehen muss, nimmt es den Flieger Il 18 oder saust gleich mit der Rakete zu Annemarie und Brummel. Was kostet die Welt!
Für Walter Krumbach begann mit dem Sandmännchen eine Zeit der Vielbeschäftigung, denn nun entstanden neben Fuchs und Elster auch der Kobold Pittiplatsch der Liebe, Moppi, Schnatterinchen und all die anderen Freunde vom Sandmännchen, für die sich ein Stamm von Autoren ständig neuen Episoden ausdenken musste. Zeitweilig nahm sich Krumbach eine kleine Wohnung bei Adlershof und war nur noch am Wochenende zuhause in Groß Schönebeck. Denn er bekam für seine Geschichten zwar mitunter inhaltliche Vorgaben, durfte aber auch bei der Produktion ein Wörtchen mitreden. Die Tage während der Woche verbrachte er daher oft im Fernsehstudio. Anne Tausch besuchte ihn ab und an in seiner kleinen Bude und wurde dann von ihrem Vater sehr gut bekocht, wie sie erzählt.
Daheim hatte man seit 1961, also sehr früh, einen Fernseher. Natürlich schaute man das Sandmännchen und freute sich, wenn eine Geschichte vom Papa dabei war, guckte selbstredend aber auch Westfernsehen.


Walter Krumbach trennte strikt zwischen Arbeit und Familie. Deshalb waren seine Kinder auch nicht das erste Publikum, an denen er neue Verse ausprobierte. Seine Dichtungen brütete er nachts in seinem Kämmerchen aus und dann gab er sie weg, und entweder wurden sie genommen oder auch nicht. Denn obwohl Krumbach einer der renommiertesten Autoren der Sandmännchengeschichten war, allein ca. 200 Fuchs und Elster-Folgen sind von ihm,  und er als Kinderbuchautor längst einen Namen hatte, war er kein hofierter Dichterfürst, dem man alles aus der Hand riss.  Manchmal kam eine Geschichte auch beanstandet zurück und er musste sie überarbeiten, was ihm nicht besonders schmeckte.


Wenn Krumbach seine Familie auch von seiner Arbeit fernhielt, war sie wie auch die Schorfheide gleichwohl eine zentrale Inspirationsquelle für ihn. Anne Tausch berichtet, dass man praktisch alle Mahlzeiten gemeinsam einnahm und wie schon erwähnt häufig zusammen in den Wald ging. Zum Pilze sammeln oder einfach so. Nicht immer zur Freude seiner Frau sprach er in Versen, wo er ging und stand, deswegen befand die Familie eigentlich doch mittendrin in seiner Arbeit.
„Mauz und Hoppel sind wir beide, leben, wie es uns gefällt,

zieh’n vergnügt durch Wald und Heide, freu‘n uns an der schönen Welt.“


Ein Werk jedoch fällt aus dem Rahmen der vielen Kinderbücher und Fernsehgeschichten, es ist auch nicht unbedingt für Kinder gedacht, sondern erinnert eher an arabische Märchen. Es heißt „Der alte Wang“ und ist mit kunstvollen Scherenschnitten versehen schon 1957 im Altberliner Verlag Lucie Groszer erschienen.
Es geht darin um den alten, fetten, unermesslich reichen Wang, dem zur Vervollkommnung seines Glücks nur noch die richtige Braut fehlt. Als die sorgfältig Ausgesuchte ihn aber das erste Mal sieht, flieht sie stante pede, entsetzt von Wangs Abscheulichkeit. Dem Alten bricht daraufhin aller Boden unter den Füßen weg:


„Wang musste nun in alten Tagen,
der solche Mühsal nie gekannt,
im Schweiß sich auf dem Acker plagen,
vor einen schweren Pflug gespannt.
Er lernte Arbeit zu verrichten
statt Schlemmerei, Betrug und List.
Doch niemand weiß mehr zu berichten,
was noch aus ihm geworden ist.“


Bei allem Dichten blieb Walter Krumbach sehr bodenständig, sagt seine Tochter Anne Tausch. Die Krumbachs führten ein gastfreundliches Haus, in dem häufig Freunde und Kollegen zu Besuch waren. Aber auch zu den Groß Schönebeckern suchte er den Kontakt und in einem Fall kam ihm da seine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten zugute. Denn für die damalige LPG, die heutige Agrargenossenschaft Groß Schönebeck verfasste er die Jahres- und Parteiberichte und zu diesem Zweck kam man natürlich auch gesellig zusammen.

walter krumbach


Seine Kinder wurden älter und verließen das Haus. Mit wem sollte er jetzt noch albern sein und Späßchen machen? Zum Glück gab es Enkel Alex, den Sohn von
Anne Tausch, der Freude hatte an den Reimen des Großvaters und heute noch von den gemeinsamen Ausflügen in den Wald zehrt. Die beiden erfanden auch eigene Worte und gingen zum Beispiel nicht einfach in den Wald, sondern statteten der „Batz“ einen Besuch ab!
1985 starb Walter Krumbach mit knapp 68 Jahren viel zu früh. Geschrieben hat er bis zum Schluss, sagt Anne Tausch.

Der inzwischen verstorbene Neu Groß Schönebecker Bernd Mehlitz ist der Ansicht, dass im Hirschweg 30 unter jedem Stein eine Geschichte liegt. Die Autorin dieses Artikels, die ihre Wochenenden seit einiger Zeit im Krumbachhaus verbringt und deren Sohn sich abends unter eine Sandmännchendecke kuschelt, hat das Gefühl, dass da was dran ist!

Katrin Schings


Die Geschichten von Walter Krumbach werden heute vom Beltz-Verlag publiziert.

Groß Schönebeck hat den Weg an der nach einer Krumbach-Figur benannten "Borstel"-Kita nach Walter Krumbach benannt und bereitet anlässlich des 100. Geburtstages von Walter Krumbach am 1. April 2017 verschiedene Veranstaltungen zu Ehren seines berühmten ehemaligen Bürgers vor. Hierzu wird im Herbst 2016 ein großes Wandbild an der Scheunenwand der SAG in der Schlufter Straße entstehen. Dazu gibt es Malworkshops für Kinder und Jugendliche aus der Gemeinde. Siehe hierzu weitere Infos unter "Bürgerverein".

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DDR-Prominenz in Groß Schönebeck

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Geschichte

Groß Schönebeck hatte bis in die DDR-Zeit hinein ein sehr vielfältiges Angebot an Gaststätten, die teilweise schon um 9 Uhr öffneten und den durstigen oder hungrigen Handwerker, Bauer oder Wanderer bedienten. Acht bzw. elf Gaststätten (zählt man die Ortsteile Böhmerheide, Klandorf und Schluft dazu) sorgten dafür, dass niemand hungern oder dürsten musste. Auch die prominenten Funktionsträger der DDR, die in der Schorfheide zur Jagd gingen, kehrten hier mit ihren Begleitern ein. SED – Wirtschaftssteuerer Günter Mittag feierte in froher Runde in der Gaststätte „Zur Sonne“ (heute „Präsident“) seinen Geburtstag und riskierte mit der Gastwirtin Helene Liepner, die am selben Tag Geburtstag hatte, ein flottes Tänzchen – allerdings war es streng untersagt, davon ein Bild zu machen. Für gewöhnlich konnte man Mittag vor oder nach Jagdausflügen im Gasthaus des Nachbarorts Kappe treffen, wo er in froher Runde ausgiebig geistigen Getränken zusprach. Dieses Gasthaus hat er allerdings ab dem Zeitpunkt nicht mehr betreten, als er hochgradig angeheitert eine Frau beschuldigte, seine Geldbörse entwendet zu haben und es zu einem förmlichen Polizeiverfahren kam. Die Börse fand sich schließlich in seinem Fahrzeug und er wurde wegen ungerechtfertigter Anschuldigung verwarnt.

Mittag residierte nördlich des Ortsteils Schluft am Tremmer See und hatte dort Mitte der 60er Jahre das Anwesen des aus Argentinien stammenden ehemaligen NS-Reichsbauernführers Richard Oscar Walther Darré, der sich hier in der Nähe des zweitmächtigsten Mann der NS-Diktatur, Hermann Göring, angesiedelt hatte,übernommen. Der nationalsozialistische Agrartheoretiker leitete außerdem das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und sah den Bauernstand als den Kern der neuen "Herrenrasse".

Mittags zweistöckiges Haus war überreichlich mit Geweihen dekoriert, neben einem Garagenkomplex hatte er hier ein Bootshaus für sein Motorboot. Wie ein Tempel trohnte auf einer Anhöhe seine Sauna.

Nachdem ihm wegen einer schweren Zuckererkrankung beide Unterschenkel amputiert werden mussten, ließ er alle jagdlichen Anlagen behindertengerecht umbauen. Diese Sonderkonstruktionen sind jetzt noch im Forst zwischen Tremmer See und Liebenthal zu sehen. Neben seinem Grundstück war ein überdachter Hochsitz in Sichtweite einer reichlich bedienten Futterstelle, so dass er das Wild bequem vor die Flinte bekam.

Mittag war mit Alexander Schalck-Golodkowski (Leiter von KoKo und Staatssekretär im DDR-Außenhandelsministerium) angesehener Gesprächspartner von Politikern und Wirtschaftsmanagern der Alt-Bundesrepublik. Da sich Schalck-Golodkowski nur wenige Kilometer entfernt am Gollinsee niedergelassen hatte, haben die beiden hier in der Schorfheide nicht nur über die Jagd gesprochen, sondern auch so manches Projekt auf den Weg gebracht, wie den Milliardenkredit, den Franz-Josef Strauß Anfang der 80er Jahre der DDR gewährte und damit die Fortsetzung der sozialpolitischen Leistungen der DDR an ihre Bürger ermöglichte. Vor allem aber versorgte Schalck-Golodkowski Günter Mittag mit Westprodukten bis hin zum Selterswasser, da er sich nach Aussagen seiner Bediensteten zunehmend weigerte, DDR-Produkte zu sich zu nehmen.

Ministerpräsident Willi Stoph und Verteidigungsminister Heinz Hoffmann zog es an den Werbellinsee, wo sie ihre Freizeit bei Hubertusstock verbrachten. Unterhalb des Jagdschlosses am Strand steht heute noch das Bootshaus, wo Stophs Tragflächenboot und das Kajütboot „Regina“ neben dem Glasfiberkreuzer von Erich Honecker lag.

Elli Kelm, die 33 Jahre lang Erich Honecker als Sekretärin diente, hatte sich in unmittelbarer Nähe Ihres Chefs in Eichheide ansässig gemacht. Ihre Familie wurde ebenso wie der Sekretär des Staatsrates Horst Eichler von Honecker mit Sonderjagdrechten bedacht. Im Dorf war sie bekannt durch Ihren Papagei, den Sie schon mal zum Einkaufen mitnahm. Samstags kam sie auch zur Bäckerei Wiegandt und war immer für ein Gespräch offen. Hermann Wiegandt erzählte ihr eines Tages von seinen Sorgen über seinen Sohn, der zur Luftwaffe eingezogen worden war und dort zunächst über heftigste Zahnschmerzen geklagt hatte, die sich später nach Aussage des Kompaniechefs zu einem akuten Nierenversagen entwickelten. Da Wiegandt nicht den Eindruck hatte, dass sein Sohn ordentlich versorgt würde, bat er Elli Kelm um Hilfe. Die sprach noch am Wochenende mit Honecker und am Montag früh stand Verteidigungsminister Hoffmann in der Backstufe und fragte, wo das Problem liege. Daraufhin wurde Wiegandt junior in eine Spezialklinik nach Bad Saarow geflogen und nach vier Wochen als geheilt entlassen.

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Honeckers Jagdsitz Wildfang am Pinnowsee heute als Biosphären-Ranger-Station genutzt

Der Staatsrats-vorsitzende Erich Honecker hatte schon als FDJ-Chef in der Pionier-republik (heute Europäische Jugendbegegnungsstätte am Werbellinsee) und im Gästehaus der DDR am Döllnsee (wo auch Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck erholsame Tage verbrachten) die Schönheit der Schorfheide lieben gelernt und sich dann 1963/64 am Pinnowsee im Forsthaus Wildfang niedergelassen. Gejagt hatte Honecker schon seit 1956 in der Schorfheide. Hierzu diente ihm ein tschechisches Repetiergewehr Kaliber 8mal 57, dass ihm einst Präsident Klement Gottwald geschenkt – und damit nach seinen Worten seine Jagdleidenschaft begründet hatte.

Gelegentlich verließ er zum Schrecken seiner Sicherheitsleute das Haus und fuhr mit dem Fahrrad zur Gaststätte von Alfred Braune (heute „Zur Schorfheide“), um dort ein Bier zu trinken und zu hören, was denn seine Bürgerinnen und Bürger so reden. Einem solchen Ausflug verdanken angeblich die Schönebecker Jugendlichen auch ihren Jugendclub, als sie die Gelegenheit nutzten sich darüber zu beklagen, dass es für sie keine Angebote im Dorf gäbe.

Nach dem Dienst kennt Erich Honecker meistens nur einen Weg: in die Schorfheide, zur Jagd. Selbst im brisanten Sommer '89 steigt er drei bis vier Mal die Woche vom Volvo in den in West-Berlin für spezielle Jagdzwecke ausgerüsteten grünen Range-Rover-Geländewagen. In der Regel erschien er gegen 13 Uhr in Groß Schönebeck und wurde vom Generalforstmeister Ullrich Weber, der den Parteichef noch aus seiner Zeit als FDJ-Vorsitzenden kannte, in Wildfang empfangen.

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Mufflonstrecke mit Honecker

Ein Staatsratsvorsitzender, der die politische Realität weitgehend ausblendet:

Der ehemalige Forstmeister Horst Mildner berichtet: "Das Absonderliche, das heute festgestellt werden muss, ist der Umstand, dass Herr Honecker in der Zeit, als die DDR zweifelsohne im Bröckeln begriffen war, sich nicht davon abhalten ließ, seiner Jagdleidenschaft zu frönen."
Das Volk ist dabei, seinen Obersten Jäger zu verlassen, Massen pilgern nach Ungarn, um von hier in den Westen zu flüchten: Honecker ist auf der Jagd.

Die bundesdeutsche Botschaft in Prag wird von DDR-Bürgern besetzt, die so ihre Ausreise erzwingen wollen: Honecker ist auf der Jagd.

In Leipzig organisieren die Menschen offene Protestaktionen, die Montagsdemonstrationen werden immer größer: Honecker ist auf der Jagd.

Bereits 1962 wurde die Schorfheide zum Staatsjagdgebiet erklärt und als Militärforstgebiet ausgewiesen. Das Staatsjagdgebiet wurde aus der Schönebecker Forstverwaltung ausgegliedert und die Forst- und Abschussdaten als geheime Kommandosache an die Staatssicherheit weitergeleitet. Einem Bericht der Volkskammer zufolge wandte die DDR 1989, im letzten Jahr, dieses Sondergebietes 7,4 Mio. Mark für diesen Luxus auf. Dazu kommt ein Verlust für die fehlende Holzwirtschaftliche Nutzung in Höhe von 5 Mio. Mark. Für die Verlegung des Technikstützpunktes vom Döllnsee nach Groß Schönebeck musste die DDR rund 17 Mio. Mark aufwenden. Hier arbeiteten 304 Mitarbeiter auf 22.000 qm ausschließlich für das Jagdvergnügen von Erich Honecker und seinen Jagdgefährten, wozu außer den genannten auch der französische KP-Vorsitzende George Marchaise; der Ostbeauftragte der bundesdeutschen Industrie, Berthold Beitz, die sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko und Alexeij Kossygin, Staats- und Parteichef Leonid Breshniew, der Chef des Obersten Sowjets, Nikolai Podgorny, Marschall Pjotr Koschewoi, der tschechische Staatspräsident Gustáv Husák und der polnische Staatschef General Wojciech Jaruzelski gehörten. Honeckers Jagdleidenschaft wurde von seiner Frau Margot nicht geteilt. Sie war nur sehr selten im Forsthaus Wildfang. Dagegen wurde Honeckers chilenischer Schwiegersohn, bei dem Margot Honecker jetzt lebt, von den Schönebecker Forstleuten als großer „Wilddieb“ bezeichnet. Bei aller Jagdleidenschaft des Staatsratsvorsitzenden ist allerdings der reguläre Erwerb eines Jagdscheins bei ihm nicht nachgewiesen.

In einer Saison erlegten die Jagd- und Skatgefährten Honecker und Mittag laut Thomas Grimm, "80 bis 100 Geweihträger", deren Geweihe heute in einigen Exemplaren im Schorfheidemuseum in Groß Schönebeck zu sehen sind.

Honeckers Personenschützer Bernd Brückner berichtet: 

"Wenn also Wild erlegt wurde, haben wir das als Personenschutzkommando - man sagte im Jargon: - waidgerecht behandelt, also aufgebrochen und auf den Anhänger transportiert und in die Wildhalle gefahren. Der erste Schritt natürlich, wenn er auf den Hof rauffuhr, nahmen wir ihm sofort seine Jagdwaffe ab, die dann durch uns gereinigt wurde, nicht durch den Schützen, und er sofort freudestrahlend in die Halle ging und er sich nochmals genauestens das erlegte Wild angeschaut hat. Wenn er einen Gast mit hatte, wurde das separat angehängt, also Mittag und Honecker, wer was geschossen hatte. Das waren so Rituale, wo dann auch so richtige Freude, eine richtige, naja, zeitweise Ausgelassenheit da war."

Erich Honeker war seiner Entourage von ca. 10 Jagdbegleitern, die ausschließlich für ihn abgestellt waren und als „Büchsenspanner“ von den Groß Schönebeckern bezeichnet wurden, und seinem Fahrer Günter Stöcker freundlich zugetan. Er hatte stets ein Ohr für sie und ihre Familien und hat ihnen manche Vergünstigung, wie z.B. besondere Medikamente oder Konsumgüter verschafft.

Damit das Wild nicht flüchtet, musste die Schorfheide eingezäunt werden. Dafür bestellte die Forstverwaltung laut mdr eine spezielle Maschine aus Australien. Jede Trophäe wurde fotografiert, vermessen, beurkundet. Und es musste auch dafür gesorgt werden, dass der Staats- und Parteichef der erfolgreichste Jäger von allen war. Selbst im Vergleich zu seinem Jagdfreund Günter Mittag.

Dass Honecker ausgerechnet im August 1989, als die Massenflucht aus der DDR in vollem Gange war, den größten Hirsch schoss, der je in der Schorfheide erlegt wurde, bezeichnet Grimm als "eine Parabel von Machtfülle und politischem Versagen".

Honeckers Liebe zur Jagd, mit der er das gesamte Politbüro paralysierte, bleibt angesichts dieses trockenen Politbürokraten ein Rätsel, zumal der Generalsekretär nach den Berichten seiner Bediensteten nichts aß, was aus dem Walde kam, kein Wild und noch nicht einmal Pilze.

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Erich Honecker mit Bundeskanzler Helmut Schmidt beim Treffen in der Schorfheide

Die Schorfheide ist auch Schauplatz des in 20 Aktenordnern der Staatssicherheit festgehaltenen Besuchs von Bundeskanzler Helmut Schmidt am 12. und 13. Dezember 1981 in Hubertusstock und im DDR-Gästehaus in Dölln. Um zu verhindern, dass es zu spontanen Beifallskundgebungen eines nicht-organisierten Publikums wie beim Brandt-Besuch in Erfurt kommt, hatte Erich Mielke auch in Groß Schönebeck für die kurze Durchfahrt des Konvois auf der F 109 alle Zufahrtsstraßen weiträumig abriegeln lassen. Politisch unzuverlässig geltende Bürger wie Hansi Williges, der mit 2.135 anderen Leidensgenossen von der Stasi als verdächtig eingestuft worden waren und entweder vorzeitig zur Armee eingezogen, verhaftet oder unter Hausarrest gestellt worden waren, wurden in der Forstverwaltung vorbeugend inhaftiert. Alle 50 m stand ein Stasimann an der Straße, eine Tanzveranstaltung in der „Schorfheide“ wurde abgesagt. Fritz Ast lud den in Halbschuhen und Trenchcoat vor seinem Haus stehenden Posten ein, eine warme Wurstsuppe bei ihm zu essen und sich aufzuwärmen bis dessen Vorgesetzter nach ihm suchte. Der ließ sich dann gleichfalls bewirten. Ast hatte an diesem Tag bei Suter geschlachtet und war nur unter großen Umwegen und mit viermaliger Kontrolle nach Hause gekommen.

Nicht gut ging für den zwei Meter großen Dorfpolizisten Karl Hermann ein Gaststättenbesuch des Generaldirektors des Schwedter Erdölkombinats Dr.Hager in der Gaststätte von Herbert Regling in der Berliner Straße (heute Apothekenneubau) aus. Der gewissenhafte Polizist, der keine Scheu vor hohen Funktionsträgern hatte, sondern mit der Strenge des Gesetzes gegen jedermann vorging, wenn es nötig war, hatte mitbekommen, dass der Direktor nach der Jagd in der Schorfheide einen ausgiebigen Umtrunk in der Gaststätte veranstaltete, vor der Tür seinen schwarzen Wolga. So legte er sich auf die Lauer und wartete, bis die fröhlichen Zecher losfuhren. Als sie das zu später Stunde dann taten, löste der wackere Mann eine hochnotpeinliche Fahndung aus. Kurz vor Schwedt wurde der Wolga schließlich gestoppt. Dr. Hager sagte später aus, dass sein Fahrer in dem zuvor von Hermann observierten Wolga geschlafen hätte und dieser später gefahren sei, was durch den Augenschein bei der Fahndung bestätigt worden war. Die Zeche musste schließlich der Polizist zahlen, indem er nach Schönerlinde strafversetzt wurde.

Horst Sindermann, ehemaliger Vorsitzender des Ministerrats und später Volkskammerpräsident der DDR, hatte mit dem wieder aufgebauten Forsthaus Reluch ebenfalls einen Landsitz in Groß Schönebeck. Neben dem zweistöckigen Wohnhaus waren dort zahlreiche Wirtschaftsgebäude, Garagen, ein Gewächs- und ein Wildlagerhaus. Ein Tennisplatz und aufwendige Funk- und Fernsehanlagen vervollständigte die Ausstattung. Die im Gelände stationierte Fernsehkamera diente mit ihrer modernsten Übertragungstechnik dazu, dass Sindermann mit seiner Familie am Fernseher die Tiere rund um sein mitten im Wald gelegenes Anwesen ungestört beobachten konnte. Das Haus war in den 60er Jahren durch Unachtsamkeit einer Mieterin abgebrannt, die einen Pappeimer mit Asche auf dem Dachboden abgestellt hatte. Die herbeigerufene Freiwillige Feuerwehr des Dorfes konnte das Gebäude zwar im Untergeschoss räumen, wegen des weit ab gelegenen Wasserzugangs war ein Löschen nicht möglich. Zwar hatte man von Carinhall genug Schlauchmaterial geborgen, um bis zum Glasowsee eine Notleitung legen zu können, aber verwarf dies, weil es so lange gedauert hätte, dass das Gebäude bis dahin ohnehin herunter gebrannt gewesen wäre. Opfer des Brandes wurde ein Hund eines der Mieter und der Flügel, der 1945 aus dem ebenfalls abgebrannten Darré’schen Landsitz am Tremmer See geborgen worden war und deshalb nach Reluch gekommen war, weil dort die Türen so breit waren, dass man ihn problemlos dort aufstellen konnte. Für eine neuerliche Bergung reichte allerdings die Zeit und die Transportkapazität nicht aus

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Forsthaus Reluch heute

Ein weiteres Mitglied der SED-Führungsriege und Honecker-Vertrauter war der Chef der Reichsbahn und stellvertretende Verkehrsminister der DDR, Robert Menzel. Dieser hatte sich im Forsthaus am Lotzinsee eingerichtet und war ein oft gesehener Kunde der Kaufhalle im Ort. Öfter sah man ihn allerdings in Gaststätten bei nachhaltigem konsumieren hochprozentiger Getränke. Wenn er ohne Fahrer unterwegs war, fand sich dann immer jemand, der seinen Wartburg in die richtige Richtung stellte, dass er auch wohlbehalten nach Hause kam.

Eines Tages war eine Schönebeckerin mit ihrer Enkeltochter Karin in Braunes Gasthof und verlangte einen Orangensaft zum Essen. Darauf wurden sie von der Bedienung davon in Kenntnis gesetzt, dass es keinen Orangensaft gäbe. Kurz darauf kam Robert Menzel mit seinem Fahrer in die Gaststube und verlangte Orangensaft, der ihm sofort serviert wurde. Der Bedienung war das überaus peinlich, zumal das Mädchen sich heftig beklagte, dass sie keinen Orangensaft bekommen hatte. Sie erklärte, dass es eine so genannte „Ministerreserve“ gäbe, die nur für Protokollpersönlichkeiten genutzt werden dürfte. Eben zu dem exklusiven Zirkel gehörte Robert Menzel, der mit Honecker in dem Staatsjagdgebiet von Groß Schönebeck auf die Pirsch gehen durfte.