Berlin vom Wasser aus Erleben - Ein Ausflug mit den Groß Schönebecker Neubürgern

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Aktuelles

 

Die MS Frohsinn auf der Fahrt vor der Berliner Kongresshalle ("Schwangere Auster), ein Geschenk der Amerikaner an Berlin, heute als "Haus der Kulturen der Welt" genutzt.

Erst musste die Dampferfahrt wegen der Corona-Erkrankung der Schiffsbesatzung verschoben werden, dann war bei der Heidekrautbahn Schienenersatzverkehr angesagt und die Gefahr enstanden, dass die 80 Teilnehmer nicht alle vom Ersatzbus mitgenommen werden konnten. Doch eine Mail an die NEB bewirkte, dass ein größerer Bus eingesetzt wurde und so konnten die syrischen, tschetschnenischen und ukrainischen Geflüchteten, die in Groß Schönebeck eine neue Heimat gefunden haben, am 7. August ihre Fahrt nach Berlin antreten. Geführt von der ehrenamtlich tätigen Leiterin der Deutschkurse und des Schularbeitszirkels des Bürgervereins, Karin Friedrich, wanderte die Gruppe nach der Ankunft in Berlin durch das Nikolai-Viertel und besichtigte u.a. mit der dortigen Museumskirche das älteste Berliner Bauwerk.

Einstieg am Historischen Hafen an der Fischerinsel in Alt-Berlin auf die MS Frohsinn

Dann ging es am Historischen Hafen an der Fischerinsel auf die MS Frohsinn, ein 1936 erbautes Museumsschiff der Stiftung Museumshafen, wo die Gruppe vom Stiftungsvorstand und Eigner Manfred Pfitsch und vom Sprecher des Willkommensteams des Bürgervereins, Rainer E. Klemke, empfangen wurde. Schnell war das reichhaltige Buffet, zu dem die Teilnehmer ihre nationalen Spezialitäten mitgebracht hatten, aufgebaut und dann konnte das Schiff losfahren.

Adam Mechidov aus Tschetschenien, der seit 2015 mit seiner Familie in Groß Schönebeck lebt und derzeit eine Lehre beim örtlichen EDEKA-Markt absolviert, war bereits zum dritten Mal bei einer solchen Fahrt mit Geflüchteten dabei und erläuterte auf russisch zusammen mit Rainer E. Klemke, was es an besonderen Sehenswürdigkeiten entlang der Fahrt über die Spree zu sehen gab. Anhand von Filmen über das 1945 zerstörte Berlin in der kostenlosen berlinHistory.app wurde den Teilnehmern gezeigt, dass Städte wie Grosny, Aleppo, Mariopol und Cherson, woher die Geflüchteten u.a. kommen, auch wieder wie Berlin neu auferstehen können, wie dies hier in Berlin zu sehen war.

Fahrt durchs Regierungsviertel

Beginnend an der Mühlendammschleuse, wo bis zu 30.000 Schiffe im Jahr geschleust werden, vorbei an Reichstag, Paul-Löbe-Haus und Bundestagsbibliothek, Bundeskanzleramt und Kongreßhalle, dem heutigen Haus der Kulturen der Welt, ging es bis zum Amtssitz des Bundespräsidenten, Schloss Bellevue, und dann flussaufwärts weiter zur Jannowitzbrücke, wo U-Bahn, Fluss, Straße und S-Bahn übereinander auf vier Ebenen ein besonderes Bauwerk bilden, zur East-Side-Gallery und dem dortigen neuen Stadtviertel, wo man die Geschichte der Teilung und der Wiedervereinigung sowie des Wiederaufbaus von Berlin erzählen konnte bis zu den neuen Bauten auf der ehemaligen Fischersiedlung Strahlau und am Rummelsburger See, wo die wilden Wassercamper mit ihren Booten liegen und sich das ehemaligen DDR-Zuchthaus und das frühere Armen- und Bewahrungshaus der Reichshauptstadt - heute ein schickes Wohnquartier mit Gedenkort - befand.

Unterwegs wurden unzählige Fotos und Filmaufnahmen gemacht und in die Heimat zu Familie und Freunden geschickt.

Vor der Oberbaumbrücke, die 1896 zur Gewerbe- und Kolonialausstellung im Treptower Park nach dem Vorbild der Stadtmauer in Neubrandneburg errichtet wurde sowie links der DDR-Eierspeicher für 6 Millionen Eier, heute Universal-Studios

Voller neuer Eindrücke und mit neuen Kontakten untereinander kehrten die Teilnehmer in die Schorfheide zurück, wo es zum Abschied ein herzliches Umarmen und ein ganz großes Dankeschön für diesen erlebnisreichen Tag gab. Ein großes Dankeschön ging auch an die Firmen Agrmex und e.dis, die es nun schon zum dritten Mal seit 2015 ermöglichten, Berlin und seine Geschichte mit den Neubürgern vom Wasser aus entdecken zu können sowie an die Stiftung Museumshafen Berlin.

Gruppenfoto mit den Teilnehmern

Karin Friedrich und Rainer E. Klemke werden nun weitere Angebote für die Kinder der Geflüchteten (wovon schon acht in Groß Schönebeck geboren wurden) vorbereiten. Auf Einladung des Kletterwaldes am Wildpark (https://www.wildpark-schorfheide.de/de/spiel-spass/kletterwald-schorfheide.html) wird es für sie dort einen Kletter-Nachmittag geben. Und für besonders kriegstraumatisierte Kinder wird auf dem Reiterhof von Gut Sarnow therapeutisches Reiten ermöglicht.

 


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